Johannes Wald ãsimulierte
AusstellungÒ
(280806)
Es gab und gibt irrige und
irritierende Wege und Denkanweisungen (falsche FŠhrten, ohne die GewŠhlte als
besser fundierte ausweisen zu kšnnen), ein Feld an Objekten, die den Verdacht an
partikular zu betrachtende Arbeiten aufkommen und sich abwandern lie§en. Kleine
StŸckchen, die den Anschein von NormalitŠt und befreiendem Humor anhaften
hatten, schlussendlich aber dennoch nicht darin genŸgten, geschweige denn
aufgingen.

An der RŸckwand des Ausstellungsraumes ein gro§er Kreis aus
dickem schwarzem Strich, in der Mitte ein Handschuh, gehalten von einer Kette
in der LŠnge des Kreisradius. Mit geringfŸgiger Anstrengung des Denkens wird
der Prozess augenscheinlich, die Hilfskonstruktion bis auf den Stift offen
gelegt und nur mehr der Nachvollzug des bereits Gewesenen ist mšglich, gewiss
aber erlaubt und erwŸnscht. Daneben, an der rechten Wand, eine †bersicht zur
Ausstellung, zur simulierten. Ein Rahmen, eine Zeichnung als Legende Ÿber die
restliche Ausstellung, als einzige in vollem Umfang den klassischen
Erfordernissen eines Kunstobjekts genŸgend: Rahmen, Bild, Schutz durch Glas. Zu
sehen ist ein wei§es Papier, in das der Grundriss des Raumes gezeichnet ist,
mit einer …ffnung, der TŸr, einem gro§en Feld an wei§em Nichts und der an den
Innenkanten angebrachten, in der Ausstellung sichtbaren Objekte. An dritter
Stelle befinde sich eine Vitrine an der SchrŠge gegenŸber der EingangstŸr, auf
den ersten Blick befreit von SchaustŸcken und leer, auf den zweiten jedoch
bemerkbar verkehrt, also links herum montiert. Der SchlŸssel und damit die
Mšglichkeit, das Innere zu …ffnen und darin etwas zu platzieren, sind im
Inneren des Kastens aufbewahrt und stecken auf der falschen Seite.

Die anfŠngliche Komik der
StŸcke, ein Kreis, dessen Produktionsprozess schnell durchsichtig wird, eine
Legende, die eben als einziger Teil der Ausstellung den AnsprŸchen eines
herkšmmlichen Kunstwerks (ohne diese Folie zu errichten ist ein Schreiben wohl
gar nicht mšglich, gar wenn es diese Konstruktion bereits auf Seiten der
besprochenen Objekte zu finden meint) genŸgt und daneben eine Vitrine, die sich
in sich selbst verkapselt hat und fŸr weitere Verwendungen nur durch den
gleichen Trick, der zur Schlie§ung verwendet worden ist, oder durch Zerstšrung
reaktiviert werden kann. Nach einigem (vielleicht ist diese Rezeptionsfolge
bereits hochnŠsige Unterstellung) Schmunzeln Ÿber die Einzelteile,
angehefteten, doch unbefriedigenden, EinlasstŸrchen Ÿber KŸnstlerlegenden (der
Kreis DŸrers), Legenden, die sich selbst(vergessen) aussparen (die Karte) und
einer Abwandlung eines selbstgenŸgsamen Systems werden ZusammenklŠnge der
Objekte sichtbar. Beide, Rahmen und Vitrine, sind aus Holz gebaut, dessen
glatte, eigentlich nach au§en gewendete SichtoberflŠche nach innen gewendet
ist. Nicht der SchlŸssel ist auf der falschen Seite angebracht, sondern die
RŠume sind umgekrempelt: das Innere der Vitrine ist das leere, unmarkierte
Au§en des eigentlichen Innenraums, des Raumes, dessen Leere nun zur Beobachtung
beider Bereiche diesseits und jenseits der Bruchkanten aufruft. Die Karte spart
nicht nur sich aus, sondern gibt dem unbeschriebenen und unmarkierten Feld
dessen, was um die Kunst ist, wesentlich grš§eren Freiraum. Und noch im Kreis entsteht
eine selbstgenŸgsame und arbitrŠre Grenzziehung, die einen Teil der Wand von
einem anderen trennt und Ÿber die Sichtbarkeit des Herstellungsverfahrens die
ArtifizialitŠt betont. Der Titel gewinnt seinen Sinn zu beginnen. Die
ãsimulierte AusstellungÒ will gar keine sein, wei§ aber um die Schwierigkeit
darum, im Sprechen und Bilden die jeweiligen Professionen mit zu reflektieren,
ihre Grenzen zu umwandern, ohne sie nicht selbst lŠngst erneut
aufgenommen/angenommen und reproduziert zu haben. Den Kreis im Hinterkopf
mŸssen wir also so oder so einmal rein. Es ist also doch eine Ausstellung,
zwangslŠufig, aber eine, bei der die Umkehrung zwischen Beobachtetem und
Beobachter umspielt wird. Hinter dem Vorhang gibt es nichts zu sehen, aber von
der anderen Seite erscheinen die GegenstŠnde in einer anderen, ungewšhnlichen
Ordnung, als simulierte Simulakren, die sich erneut in den Status von Objekten
eigenen Wertes mausern obzwar sie nur als SpiegelflŠchen unseren Wahrnehmens in
Erscheinung treten.

[HL 291006]
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